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III.

Kriege an heiligen Orten

Europäisches Altertum

 

 

Während der vordere Orient etwa vom 3. Jahrtausend an immer entschiedener in das Licht der Geschichte trat, dort Großreiche gebildet wurden, von Gottkönigen geführt und »Schreibern« verwaltet, die bereits schriftliche Urkunden verfaßten, lag Europa noch in geheimnisvollem Dunkel. Nur durch die Archäologie, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten ungeheure Fortschritte erzielte, die Aussagen der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners sowie Sagen und Märchen, deren Wahrheitsgehalt durch intensive philologische Forschung immer mehr aufgehellt wird, wissen wir etwas von den Menschen, Völkern und Rassen, die unseren Kontinent belebten.

Über die Kriegführung in der Altsteinzeit in Europa ist uns nichts bekannt. Sicher ist nur, daß diese Menschen Waffen besaßen, die sie zur Jagd, aber auch zum Kampf Mann gegen Mann benutzen konnten. Wie eingangs erwähnt, lassen Skelettfunde, die Hieb-, Stich- und Schußwunden zeigen, sowie einige Felsmalereien darauf schließen, daß die Waffen auch gegen Menschen eingesetzt worden sind; doch ist nicht auszuschließen, daß es sich dabei auch um Opferhandlungen handeln könnte.

Die Berichte aus der Atlantis künden jedoch auch von Kriegen. Einen Hinweis gibt auch Sigismund von Gleich, der schreibt:

»Die Wohnstätten der Eiszeitmenschen in den Jura-Kalk-Höhlen liegen, wie man bemerkt hat, z.B. im Schweizer Birstal, vielfach an strategisch besonders wichtigen Punkten, die im Mittelalter von Ritterburgen beherrscht wurden. Dies deutet vielleicht auf eine besondere militärisch-kriegerische Sendung, welche die Urmongolen in Alteuropa zu erfüllen hatten.«67  

Sigismund von Gleich nimmt die Urmongolen als Träger der Magdalénien-Kultur an, die als jung-paläolithische Rentierjäger-Kultur dem Ende der letzten Eiszeit zwischen 20.000 und 10.000 v.Chr. angehört.

In der Mittelsteinzeit, in die auch die Domestikation von Tieren und Pflanzen fällt — bei den Tieren vor allen Dingen die des Hundes —, kommt als technische Neuerung im Werkzeugbereich insbesondere das Beil und das Querbeil auf. Beide lassen sich auch als Waffen verwenden. Die im ersten Kapitel gegebene Etymologie des Wortes »Hammer« bietet dafür einen wei-

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teren Hinweis. Auch der Bogen findet sich auf Abbildungen von in Linie vorgehenden Kriegern.

Die sich anschließende Jungsteinzeit kann für die Entwicklung der europäischen Menschheit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Man hat daher geradezu von einer neolithischen Revolution gesprochen. Neue Wirtschaftsformen, ein neues Siedlungs­wesen, vornehmlich in Dorfgemeinschaften, und neue Sozialordnungen entstanden; sie lassen sich deutlich aus den Funden erschließen. 

Besonders durch den Ackerbau war der Mensch von den Zufällen des Naturgeschehens, denen er während seiner Jäger- und Sammlerzeit ausgesetzt war, unabhängiger geworden. Ackerbau und Viehzucht stärkten auch das Gefühl der Unabhängigkeit des Menschen, und er wurde sich seiner Freiheit in zunehmendem Maße bewußt. Im sog. westeuropäischen Kreis entstand die Megalith-Kultur mit ihren Dolmen, Menhiren und Kromlechs. Die Leute der Glockenbecherkultur benutzten als Jäger, aber sicher auch als Krieger, den Bogen. Wir wissen nicht, ob es sich bei ihnen um ein einheitliches Volk handelt, eher ist an eine Verbreitung dieser Kultur von Spanien nach Mittel- und Nordeuropa, nach Italien und nach England und Irland zu denken. Im sog. Balkankreis sind befestigte Herrensitze ein deutlicher Hinweis auf kriegerische Verwicklungen. Das Pferd wird gezüchtet, und die Streitaxt ist das Kennzeichen des freien Mannes. In der Bandkeramik-Kultur deuten durch Wall und Graben geschützte Dörfer mit Großbauten auf ein kämpferisches Zeitalter hin. Skelettfunde in den Gräbern mit Spuren feindlicher Waffeneinwirkung sind ein weiterer Beweis für diese Tatsache. Aus dem nordischen Kreis schält sich besonders die Schnurkeramik- oder Streitaxt-Kultur in Sachsen, Thüringen, Schleswig-Holstein und im Mündungsgebiet der Oder heraus. Die wichtigste Waffe ist hier die kunstvoll polierte und technisch vollkommene Streitaxt. Auch buchten die Streitaxt-Leute Pferde, die ihnen auf ihren Wanderungen und Kriegszügen eine überlegene Beweglichkeit verleihen, selbst wenn das Pferd zunächst nur zum Ziehen und nicht zum Reiten benutzt worden sein sollte. Wahrscheinlich sind diese Streitaxt-Leute noch keine Indogermanen, sie nehmen aber an der Indogermanisierung Europas Anteil.

Kupfer war im Vorderen Orient seit dem 4. Jahrtausend bekannt, Bronze etwa ab 2500 v.Chr. Die ältesten Bronzekulturen entstanden in Mesopotamien. Von dort aus gelangt die Kenntnis und Fertigkeit der Herstellung von Bronze nach Norden, in den Kaukasus und nach Anatolien, nach Ägypten, Kreta und später Mykene. Sehr rasch kommt Ungarn unter mykenischen Einfluß, und etwas später folgt das von Germanen besiedelte Gebiet. Diese Erkenntnisse der modernen Archäologie stimmen mit der Aussage Sigismund von Gleichs überein, der sich auf Rudolf Steiner stützt: »Das Zinn

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stammt aus Irland und England, das Kupfer des alten Orients hauptsächlich aus Zypern, der klassischen Venus-Insel. Sargon I. von Akkad hatte seine Herrschaft erstmals bis ans Mittelmeer ausgedehnt und auch Zypern erobert. Gilgamesch wanderte aus dem Land der Kupfer-Zivilisation westwärts und begegnete im Burgenland einer Kolonie der hybernischen und irischen Mysterien, die in ähnlicher Art mit dem Zinn arbeiteten wie die babylonischen mit dem Kupfer. Gilgamesch vereinigte in sich beide Impulse. Und wenn nun einmal bewiesen werden sollte, daß im Burgenland um 2200 die Bronzebereitung entstanden ist, dann wäre sie als Frucht der Wanderung des Gilgamesch vom Osten nach dem Westen zu betrachten.«68 Eine Differenz in den Aussagen der modernen Spatenwissenschaft und Sigismund von Gleichs besteht nur irm Ansatz des Entstehungsdatums der Bronzezeit, das von der Archäologie fü r Europa etwa ab 1700 v. Chr. angegeben wird. Nach der bronzezeitlichen Epoche mit ihren Hockergräbern, unter die sich aber schon die sog. Fürstengräber unter hohen Grabhügeln mischen, beginnt die eigentliche Hügelgräberkultur, in der die Toten mit ihren Waffen beigesetzt wurden. Wahrscheinlich handelte es sich dabei nur um die Vornehmen, dennoch weist das darauf hin, daß die Waffen nicht nur der kostbarste und wichtigste Besitz des Mannes waren, vielmehr auch die Vorstellung herrschte, er brauche sie noch in der Welt der Toten. Ab 1300 breitet sich die Urnenfelder-Kultur, in der die Asche der Toten in Urnen auf großen Friedhöfen beigesetzt wurde, von der mittleren Donau nach Süden, der Donau entlang nach Böhmen, aber auch nach Polen, Mitteldeutschland, Westfrankreich, Mittelitalien und Nordspanien aus. 

Mit dieser Urnenfelder-Kultur werden zum ersten Mal zwei europäische Völker in Verbindung gebracht, die Veneter und die Illyrier. Wie es die Funde ausweisen, müssen sie eine starke politische Aktivität entfaltet habein und kriegerische Auseinandersetzungen keineswegs gescheut haben. Für die Unsicherheit der Zeiten sprechen große Bronze-Depots und SchiT»uckverstecke. Die Kriegszüge dieser Urnenfelder-Leute führen das Ende- der mykenischen Zentren und der spätmmoischen Kultur auf Kreta herbei, ihr Eindringen nach Kleinasien den Fall des Hethiterreiches; sie breiteten sich auch m Norditahen und Latium aus, auch der Einfall der sog. Seevölker in Ägypten steht mit ihnen im Zusammenhang. Den nordischen Kreis, der Norddeutschland und Skandinavien umfaßt, besiedeln die »Urgermanen«. Sie kennen den pferdebespannten Streitwagen, die steinerne oder bronzene Streitaxt, Lanzen, Wurfspeere und Kurzschwerter. Dennoch, scheint, nach den Funden zu schließen, der Friede während dieser Zeit vorgeherrscht zu haben. Die eigentliche kriegerische Zeit nimmt erst mit der ab etwa 800 beginnenden Eisenzeit ihren Anfang; sie wird in die wahrscheinlich illyrisch beherrschte Hallstattkultur und die ab 450 v.Chr. beginnende La-

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Tene-Kultur eingeteilt. Letztere bildet den Höhepunkt der Eisenzeit. Beeinflußt wird sie vor allem von den Skythen, den Griechen und den Etruskern. Ihre eigentlichen Träger aber sind die Kelten, auf die genauso wie auf die Germanen noch eingegangen werden muß.

Doch kehren wir noch einmal kurz in die Bronzezeit zurück! Sie ist die /eit des Trojanischen Krieges mit den Taten und Irrfahrten jener Helden, die uns in der »Ilias« und »Odyssee« geschildert werden. In ihrer ehernen, d.h. bronzenen Rüstung und dem mit einem Haarbüschel geschmückten Helm, mit dem in der Sonne hell aufblinkenden bronzebeschlagenen Schild, dem leuchtenden Bronzeschwert und der blitzenden Lanzenspitze treten sich zu Fuß oder auf pferdebespanntem Streitwagen die Heroen dieses Krieges im Zweikampf gegenüber. Heere, die von solchen Helden geführt wurden, brachten Mykene mit seinen gewaltigen Festungsmauern zu Fall und vernichteten die hethitische Großmacht um 1200 v.Chr. »Im Gedächtnis Europas scheint der Fall der alten Mächte lange als Beginn einer neuen Epoche bewahrt geblieben zu sein. Jahrhundertelang hielten sich unklare Erinnerungen, alsbald vermengt mit den trojanischen Sagen, und die neuen Völker des ersten Jahrtausends gefielen sich darin, ihre Anfänge mit den Irrfahrten der Heroen nach dem Trojanischen Krieg zu verbinden. Das gilt nicht nur für die Römer. Nach Berichten des ersten Jahrhunderts v. Chr. rühmten sich die Kelten eines ähnlichen Ursprungs, und wenn diese Suche nach berühmten Ahnen auch in erster Linie dem Bedürfnis entsprang, neben den Nachfahren eines Äneas zu bestehen, so kann durchaus mehr dahintergestanden haben. Ebensowenig brauchen die Erzählungen des Mittelalters über trojanische, skythische oder thrakische Ursprünge der Bretonen, Iren und Pikten lediglich gelehrte, einem Homer oder Vergil, dem Kreter Dik-tys, dem Phryger Dares und anderen abgelauschte Erfindungen zu sein, sondern können wenigstens teilweise unmittelbar auf einheimische mündliche Traditionen, also auf eine schwache Erinnerung an jene Zeit zurückgehen, als die Völker sich in einer — hauptsächlich westlichen — Bewegung befanden.«69 Allein diese Aussage eines bedeutenden Gelehrten sollte uns davor bewahren, Mythen und Sagen der Völker als »Ammenmärchen« ab-/utun. Wir werden immer wieder auf sie zurückkommen.

 

 

 

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Skythen

 

Bevor wir uns den großen Völkern der Antike zuwenden, müssen wir noch kurz auf ein Volk eingehen, das besonders für die späteren Germanen eine große Rolle gespielt hat. Es sind die Skythen, die, ursprünglich aus Turkestan kommend, vom Schwarzen Meer aus über den Dnjestr in den Balkanraum, an die untere Donau, in die pannonische Ebene und in den Raum südlich der Karpaten vorstießen. Sie griffen im Süden die Hochkulturgebiete an, gingen auch nach Westen vor und erreichten ostdeutsche Gebiete, Bayern und Norditalien. Die Überlegenheit dieses Reitervolkes beruhte auf seiner hohen Beweglichkeit und variablen Kampfweise. Seine Heere bestanden aus Reitern mit leichter Bewaffnung, vor allem dem doppelt gekrümmten Bogen aus Horn mit einer Sehne und Pfeilen mit dreikantigen Spitzen aus Steinknochen, Bronze und Eisen. Nachdem sie Asien erobert hatten, wurden in der Folgezeit in der gesamten mittelöstlichen Welt die das Kriegswesen bestimmenden Reiterheere aufgestellt.

In Europa trafen sie bei ihrem Vorstoß zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v.Chr. auf Völker der Hallstattkultur. Der am weitesten im Westen, im Innern Deutschlands angetroffene Fund, derjenige von Vettersfelde, zeigt, daß ihr Einfluß bis nach Mitteleuropa reichte; selbst wenn es sich bei diesem Fund, wie man neuerdings annimmt, nicht um die Hinterlassenschaft eines Kriegszuges, sondern um den Schatz einer Geisel oder eines Abgesandten der Skythen handelt. Ihre Kriegszüge folgten, wie Hans Gsänger gezeigt hat, einer okkulten Achse, die sich quer durch Europa vom Ostende des Schwarzen Meers, wo Iason das Goldene Vlies holte, bis zu den hybernischen Mysterien in Irland zog. Während die Kolchischen Mysterien in die Vergangenheit zurückreichten, wiessen die von der anderen Seite kommenden hybernischen in die Zukunft. Die Sonnenmysterien von Kolchis waren die Lehrstätten der Griechen, die hybernischen diejenigen der Kelten. Durch die Skythen traten sie miteinander- in Verbindung. Im Kreuzabnahme-Relief der Externsteine sind beide Strömungen dargestellt, dort flössen sie zusammen.70 Aus diesem Zusam-meznfließen ergab sich für die Germanen ein höchst bedeutsames Ereignis, das-: ursächlich mit dem Entstehen der germanischen Sprache, des germani-sch_en Volkstums und den Missionen der späteren germanischen Einzelvölker" zusammenhängt.71 In diesem Sinne hatten die kriegerischen Vorstöße der Skythen eine revolutionierende geistige Bedeutung.

 

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Griechen

Mit diesen allgemeinen Bemerkungen sind wir den Ereignissen z.T. weit vorausgeeilt. Noch einmal müssen wir auf die Indogermanen zurückkommen, aus denen jenes Volk hervorging, dem wir uns nun eingehender zuwenden müssen. Die Frage nach der Urheimat der Indogermanen und der Zeit ihrer sprachlichen Gemeinsamkeit ist noch immer heftig umstritten. Mit Sicherheit aber liegt die Zeit der indogermanischen Gemeinsprache weit vor dem 2. Jahrtausend v. Chr., denn die aus diesem Jahrtausend überlieferten Schriftsprachen, wie etwa das Keilschnft-Hethitisch oder das Vedische und das Kretisch-Mykenische in der Linearschrift B, sind schon ganz ausgeprägte Individualsprachen. Das ist auch der Grund, weshalb — wie oben angedeutet - eine indogermanische Gemeinsprache bei den Schnurkeramikern der Jungsteinzeit ganz ausgeschlossen ist. Das setzt weit längere Perioden voraus.72

Im allgemeinen wird angenommen, daß sich die späteren griechischen Stämme etwa mit Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. aus dem mitteleuropäischen Raum lösten und einige Zeit später begannen, ihre heutige Heimat (»riechenland zu erobern. Die Eroberung des Landes mit den ununterbrochenen Kämpfen gegen die Urbewohner führte bei den erobernden griechi-»chen Stämmen naturgemäß zu einem starken Egoismus. Um die negativen Wirkungen dieses Egoismus auszugleichen, begab sich lason auf seinen Argonautenzug. »Im Argonautenzug ist dargestellt das Suchen nach dem gold-tlurchleuchteten Astralleib [goldenes Vlies], der durch den Eintritt des Egoismus verdunkelt worden war.«73

Wie bei den anderen alten Völkern zeigt sich bei den Griechen schon in den frühesten überlieferten Sagen und Heldengesängen die starke Abhängigkeit des Kriegs- und Kampfgeschehens von den Göttern. Sie lösen den Krieg aus, wie etwa beim Urteil des Paris, sie greifen lenkend in die Schlacht ein und sie entscheiden das Schicksal der Helden. Nach dem Streit zwischen achilles und agamemnon verleiht Zeus auf Bitten der Thetis den Trojanern den Sieg. Nach dem Tod des patroklos greift achilles wieder in den Kampf ein, nachdem ihm Thetis eine von Hephaistos geschmiedete neue Rüstung gebracht hat. Doch Apollon selbst lenkt den von paris abgeschos-»encn Pfeil, der achilles tödlich trifft. Als achilles dabei ist, das Schwert /u ziehen, um den Atreiden niederzuhauen, packt ihn die von Here ent-undte Pallas Athene am Haar, »ihm allein sich enthüllend, der anderen »chauten sie keiner. Staunend zuckte der Held und wandte sich; plötzlich

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erkannt' er Pallas Athenens Gestalt, und fürchterlich strahlt ihm ihr Auge«.74 Die gleiche Athene sagt zu Diomedes:

Auch das Dunkel entnahm ich den Augen dir, welches sie deckte,
Daß du wohl erkennest den Gott und den sterblichen Menschen.
Drum so etwa ein Gott herannaht, dich zu versuchen,
Hüte dich, seligen Göttern im Kampf entgegenzuwandeln,
Allen sonst; doch käme die Tochter Zeus', Aphrodite,
Her in den Streit, die magst du mit spitzigem Erze verwunden.
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Oftmals treten die Götter auch in der Gestalt eines der Kämpfer auf, so etwa Poseidon als KALCHAS.76 Hermes begleitet den priamos als myrmidonischer Krieger.77 Athene dient dem Telemachos als Mentor. Und so könnten die Beispiele aus der »Ilias« bis ins Unendliche fortgesetzt werden.

Auf die Bedeutung von Mantik und Aberglauben im Kriegsgeschehen der Griechen soll nur mit einem Beispiel hingewiesen werden. Als sich während der 4. sizilischen Expedition von 415-413 v.Chr. die Syrakuser zu einem kombinierten Angriff von Flotte und Landtruppen entschlossen und die Lage im athenischen Heer noch zusätzlich durch schwere Krankheiten belastet wurde, entschlossen sich die Athener zur Abfahrt. Doch Thukydides berichtet: »Als alles fertig war und sie [die Athener] schon abfahren wollten, verfinstert sich der Mond - es war nämlich gerade Vollmond. Da geboten die Athener Feldherren Einhalt, wenigstens die große Menge, es sei doch unheimlich, und auch Nikias - er gab wohl etwas zu viel auf Propheterei und dergleichen - weigerte sich vor Ablauf von dreimal neun Tagen, wie es die Seher ausdeuteten, auch nur noch einmal zu beraten über einen früheren Aufbruch. Diese Bedenken also waren der Grund, warum die Athener noch blieben.«78 

Es ist zu erkennen, daß zwar der aufgeklärte Thukydides nicht an Vorzeichen glaubte, dafür aber noch immer der athenische Feldherr Nikias und die Masse seiner Truppen. Auch geht aus dem Text hervor, daß sich im Heer der Athener - und sicher auch bei ihren Feinden - nach wie vor Seher befanden. Auf die Rolle des Vollmondes im Schlachtgeschehen muß zusammenfassend hinsichtlich der Vorstellungen der antiken Völker anläßlich der Schlacht Cäsars gegen Ariovist im Jahr 58 v. Chr. noch eingegangen werden.

 

 

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Perserkriege

Über das wichtigste Ereignis der Kriegsgeschichte zu Zeiten der Griechen, nämlich deren Freiheitskampf gegen die Perser, besitzen wir die Aussagen des »Vaters der Geschichtsschreibung«, Herodotos von Halikarnassos, der etwa von 484 bis 425 v. Chr. lebte und das für die Zukunft unseres Kontinents entscheidende Ringen der Griechen mit dem asiatischen Großreich der Perser beschrieb. 

Nach der in der »Ilias« beschriebenen Zeit mit ihren durch das Blut verbundenen Stammes- und Sippenverbänden, die jeweils unter der Führung eines Königs standen, unterstützt von einem heroischen Kriegeradel, bestand Griechenland zu Beginn des 5. Jahrhunderts v.Chr. aus einer Reihe von Stadtstaaten, zu denen jeweils ein paar Dörfer und Bauernhöfe gehörten. An Einwohnerzahlen gemessen waren diese Stadtstaaten außerordentlich klein. Athen, der größte von ihnen, hatte z.B. etwa 300.000 Einwohner, von denen allerdings nur 30.000 zur eigentlichen Polis gehörten, also Freie waren, während der Rest aus Sklaven bestand, die nicht zum Kriegsdienst herangezogen wurden. Obwohl einige griechische Städte mit den Persern sympathisierten und sie auch im Krieg unterstützten, entschlossen sich doch die wichtigsten Griechenstädte, Athen, Sparta und Platää, zum Widerstand gegen die Eroberungsgelüste des persischen Großkönigs. Sie siegten und schufen damit die Voraussetzungen dafür, daß griechischer Geist und griechische Kultur zu einem der Grundpfeiler des späteren Europa wurden, auf den sich noch Gegenwart und Zukunft stützen müssen, wenn Europa seine kulturelle Aufgabe in der Welt erfüllen soll.

Während noch bei der Belagerung von Troja im 12. Jahrhundert v.Chr. der schwerbewaffnete und prunkvoll gepanzerte ritterliche Kämpfer allein die Entscheidung herbeiführte und sich allein für das Kampfgeschehen verantwortlich fühlte - die Masse des Fußvolkes zählte nicht -, finden wir jetzt, zu Beginn der Perserkriege am Anfang des 5. Jahrhunderts, ein griechisches Heer vor, das fast ausschließlich aus Fußvolk besteht und als Bürgermiliz schwer gepanzert und schwer bewaffnet, das aus ritterlichen Qualitätskriegern bestehende Heer der Perser besiegt. Jeder freie Bürger einer Polis fühlte sich nun als eines ihrer Teile und war damit auch persönlich für ihr Schicksal verantwortlich. Noch fehlte ihm jenes individuelle Ich-Bewußtsein, das die Menschen der führenden Völker Europas erst ab dem 15. Jahrhundert n.Chr. entwickelten. Der griechische Hoplit, der schwerbewaffnete Angehörige der Bürgermiliz, fühlte sich noch als Teil der Gruppenseele seiner Polis. Diese Art des Bewußtseins war die innere Voraussetzung für den er-

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folgreichen Kampf in der Phalanx. Wie aber sahen die äußeren Voraussetzungen aus, die im Gegensatz zu den Phalangen der vorderasiatischen Völker früherer Zeiten zu dieser Entwicklung geführt hatten?

Um 700 v. Chr. hat Phaidon, der König von Algos, das neue Rundgeld im Hera-Tempel geweiht und damit den im Lauf der Jahrhunderte immer größer werdenden Geldumlauf in die Wege geleitet, der, neben anderen Erscheinungen, zu einer sozialen Umschichtung führen mußte. Daß es sich mit diesem ersten Geld dennoch um etwas anderes handelte als mit unserem heutigen, das zeigt schon die Tatsache, daß es im Tempel geweiht wurde. Nun konnten sich nicht mehr nur die reichen Grundherren wie vor Troja den Luxus einer schweren Kampfausrüstung leisten, um ihrer Wehrpflicht zu genügen, sondern auch die freien Bürger, die zu Wohlstand gekommen waren und, wie es für das Altertum selbstverständlich war, ihre Heimat zu verteidigen hatten.

Die Vollbürger der Städte, zu denen je ein Krieger aus den reicheren Bauernfamilien trat, rückten jetzt als schwerbewaffnete Hopliten ins Feld. Wehrpflichtig waren sie bis zum 45. oder 50. Lebensjahr. Das Geld für die kostspielige Ausrüstung mußten sie selbst aufbringen. Zu dieser Ausrüstung gehörten ein leichter beweglicher Rundschild, ein Helm, Brustpanzer und Beinschienen. Die Bewaffnung bestand aus einem kurzen Hiebschwert und vor allem aus der zunächst noch etwa zwei Meter langen Stoßlanze. Panzer und Waffen waren selbstverständlich jetzt aus Eisen. Außerdem hatte jeder Hoplit für seine Verpflegung selbst zu sorgen. Das war möglich, da die Truppen sich anfangs nicht allzu weit von ihrer Basis entfernten. Trotzdem war es nötig, daß jeder Hoplit wenigstens noch einen Mann (psilos) bei sich hatte, der ihm sein Gepäck und seine schwere Ausrüstung während des Marsches tragen half. Daneben dienten diese leicht bewaffneten Männer in der Schlacht als Sanitäter und vor allem für Requirierungsaufgaben. Nicht selten hatten sie auch Verwüstungsaufgaben in feindlichem Gebiet durchzuführen. Diese Leicht­bewaffneten rekrutierten sich aus der ärmeren Bevölkerungsschicht oder waren Söldner.

In der Schlacht formierten sich die Hopliten zu einer Linie der Phalanx mit meist acht Gliedern Tiefe. Diese Phalanx war in Abteilungen von etwa 1000 Mann eingeteilt, die mit der politischen Einteilung der Bürger übereinstimmten. Sie wurden von »Strategen« geführt, die sich in späterer Zeit Taxiarchen nannten. Die Abteilungen gliederten sich wieder in Unterabteilungen von etwa 300 Mann unter einem eigenen Führer. Die Stärke der Phalanx lag im wuchtigen geschlossenen Angriff, wobei die ersten und letzten Glieder aus den besten Kriegern bestehen mußten. Da der Schild mit der linken Hand geführt wurde, zog sich die Phalanx beim Angriff fast automatisch leicht nach rechts, so daß man gewöhnlich diese Tatsache ausnutzte, den rechten Flügel

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stärker und ihn mit den besten Hopliten ausstattete. Voraussetzung für einen wirksamen Angriff der Phalanx war ein möglichst offenes und ebenes Gelände, damit sie nicht auseinanderriß. Die Schwäche der im Rechteck und mit der Breitseite zum Feind vorgehenden Phalanx lag an den Flanken, die vor allem gegen Reiterangriffe geschützt werden mußten. Wurde die Phalanx in der Flanke gefaßt, so war sie verloren. Die Leichtbewaffneten leiteten meist als Plänkler das Gefecht ein und zogen sich kurz vor dem Zusammenprall der feindlichen Truppen über die Seiten ausweichend hinter ihre eigene Phalanx zurück. Die griechische Reiterei bestand aus den wenigen Reichen, die sich ein Pferd leisten konnten. Aber sie war keine Reiterei im Sinne der Schlachtenkavallerie der Neuzeit, die geschlossen zur Attacke ritt. Die Reiterei der Antike löste sich bei allen Völkern im Gefecht in Einzelkämpfe auf und war nicht in der Lage, eine Phalanx frontal anzugreifen. Im Gegensatz zu den Hopliten bestand sie jedoch aus gut ausgebildeten Einzelkriegern, während die Hopliten nur durch ihre Masse wirkten.

Für unsere Darstellung erscheint als die wichtigste Schlacht des Perserkrieges die Schlacht bei Marathon, die 490 v. Chr. stattfand. In ihr entwickelte der schöpferische Genius des athenischen Feldherrn Miltiades zwei Grundsätze, die zu Grundsätzen jeder Gefechtsführung seither geworden lind: die richtige Ausnutzung des Geländes gegenüber einem zahlenmäßig überlegenen Feind und die taktische Überraschung. Wo immer bis dahin die langsam und wuchtig vorgehende griechische Bürgermiliz auf die persischen Bogenschützen gestoßen war, war sie hoffnungslos zusammengeschossen worden. Auf diese Erfahrung verließen sich auch jetzt die kampferprobten persischen Berufssoldaten unter Datis und Artaphrenes.

Die Perser sind bereits am Strand gelandet, haben mit ihren etwa 20.000 Mann Lager geschlagen und sind kampfbereit, als die 10.000 Athener und Platäer in der Ebene von Marathon auftauchten. Die Perser sind sich darüber im klaren, daß sie rasch schlagen müssen, bevor die Griechen Verstärkung erhalten, und die Athener und Platäer wissen, daß sie nur hier noch dem persischen Heer den Weg in ihre Heimat verwehren können. Dies alles hört sich an, als hätte ein moderner Feldherr das Gelände für die Entscheidungsschlacht ausgesucht. Die materialistische Geschichtswissenschaft übersieht dabei allerdings einen Punkt, der neben der Gunst des Geländes bei den Griechen eine große Rolle gespielt haben dürfte, vielleicht sogar die ausschlaggebende. Genau an dieser Stelle nämlich hatte der attische Heros und Göttersohn Theseus den wilden Stier von Marathon besiegt und den Göttern geopfert. So auch sollte es mit den Persern geschehen. Eine Entscheidungsschlacht bahnt sich nun an, nicht nur für Griechen-

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land, sondern für ganz Europa, von deren Bedeutung diejenigen, die sie mit dem Mut der Verzweiflung schlugen, keine Ahnung haben konnten.

Es ist sommerlich heiß, und beide Heere lagern unter den Waffen. Doch die Griechen nutzen die kurze Zeit, um ihre Stellung zu verstärken. Miltiades stellt seine Phalanx so auf, daß sie den Ausgang des engen Vranatals besetzt hält und den vor ihr am Strand verlaufenden Weg nach Athen sperrt. Die Flügel der Phalanx sind rechts und links an das aufsteigende Gelände und an Verhaue angelehnt, so daß ihre verwundbaren Flanken gedeckt sind. An dieser Abwehrstellung konnte der Feind nicht vorbei. Er muß die Schlacht annehmen. Taktisch wichtiger aber noch, daß er in diesem Gelände seine zahlenmäßige Überlegenheit nicht ausspielen und seine gewohnte Taktik des zerstreuten Gefechts nicht anwenden kann, in dem jeder einzelne persische Berufskrieger dem Athener Bürger mit seiner mangelhaften Ausbildung weit überlegen ist. 

Datis muß diesen Nachteil erkannt haben, aber er vertraut seiner hervorragenden Truppe und der Wirkung ihres ununter­brochenen Pfeilhagels auf etwa einhundert Schritt Entfernung und führt sein Heer zum Angriff, um die Phalanx durch Wirkungsfeuer ins Wanken und dann zum Auseinanderfallen zu bringen. Den geschlossenen Zusammenprall muß er mit seinen Leichtbewaffneten und fast ungeschützten Kriegern vermeiden. Ist die geschlossene Phalanx aber erst einmal auseinandergefallen, so wirkt sich die kämpferische Überlegenheit seiner Krieger im Einzelkampf aus, und die Schlacht ist gewonnen. So dachte er wenigstens.

Die Athener und wenigen Platäer sehen sie kommen und heben die Schilde zum Mund. Die Führer der Abteilungen und Unterabteilungen treten auf ihre Plätze in den engen Intervallen; alle erinnern sich an den seltsamen Befehl, der ihnen kurz zuvor besonders eingeschärft worden ist. Niemals zuvor hat eine Phalanx getan, was sie jetzt auf ein Zeichen hin tun soll.

Unbeweglich steht die eiserne Mauer der Phalanx, als die Griechen den Päan anstimmen. Da sind die Perser schon auf Schußentfernung heran, stemmen ihre geflochtenen Schilde vor sich in den Boden, legen die Pfeile auf die Sehne, und schon schwirren die Pfeile gegen die ehernen Reihen. Doch genau in diesem einen entscheidenden Augenblick kommt das Zeichen, auf das nach dem ungewöhnlichen Befehl alle Griechen gewartet haben. Die Phalanx setzt sich in Bewegung und wirft sich in geschlossenem Sturmlauf, den Pfeilhagel unterlaufend, auf den Feind. Wohl reißt das Zentrum der Griechen unter den unaufhörlichen Bogenschüssen auseinander, aber die Flügel brechen in die Perser ein und werfen sie in wuchtigem Stoß nieder. In richtiger Erkenntnis der Lage schwenken sie zur Mitte ein und hauen das Perserheer zusammen. Gegen diese eisenstarrende Masse, die von der Liebe zur Heimat getragen mit dem Mut der Verzweiflung ficht, vermögen selbst die persischen Qualitäts-

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krieger nichts mehr auszurichten. Es bleibt ihnen nur die Flucht zu den Schiffen. Sie gelingt nur unter schweren Verlusten (Stegemann).

Diese Schlacht wurde so ausführlich geschildert, weil sich bei ihr uralte Vorstellungen zum ersten Mal mit modernen verbinden. Die Wahl des günstigen Geländes an der Stelle, an der Theseus den marathonischen Stier niedergeworfen und geopfert hatte, entsprach der alten Vorstellung, wie wir sie bisher bei allen großen Schlachten der Antike angetroffen haben. Die Planung der Schlacht durch Miltiades über den ersten Ansatz hinaus und seine Führungsmaßnahmen während ihres Verlaufs sind jedoch Beweis für ein neues Element, nämlich die verstandesmäßige Planung einer Schlacht durch einen echten Feldherrn, der sich dazu nicht mehr auf seine göttliche Abkunft oder Stellvertreterstellung eines Gottes beruft. Das war das neue, moderne Element, das der Entwicklungsstufe in der lateinisch-griechischen Epoche entsprach. In ihr wurde die Gemüts- und Verstandesseele ausgebildet, wobei die Griechen die ersten Grundlagen zur Entwicklung der Verstandesseele legten, die später vornehmlich von den Römern ausgebildet wurde.

Es ist hier nicht der Ort, über den weiteren Verlauf der Perserkriege zu berichten, es soll nur noch auf einige für uns wesentliche Dinge hingewiesen werden. So fand die Seeschlacht bei Salamis 480 v. Chr., in der die Griechen die persische Flotte besiegten, nicht nur in der für sie besonders günstigen Meerenge statt; wichtiger noch erscheint uns die Tatsache, daß hier der Zugang zur Bucht von Eleusis und damit zur berühmten Mysterienstätte gesperrt wurde (s. Fig. 2). Man mag diesen Hinweis als nicht beweisbar verwerfen; dennoch wird man zugeben müssen, daß die ständig wiederkehrende Wahl der Schlachtorte nach religiösen Gesichtspunkten - so wie das bisher gezeigt wurde und sich auch weiterhin erweisen wird - selbst den größten Skeptiker veranlassen muß, diese Hypothese zuzulassen. Im August des gleichen Jahres 480 v. Chr. fand auch die berühmte Schlacht an den Thermopylen statt, deren Paß Leonidas mit seinen 300 Spartiaten und 5600 anderen Griechen verteidigte, um den Rückzug des griechischen Hauptheeres zu decken. Nur die Spartiaten hielten stand. Bis zum letzten Mann verteidigten sie sich selbst dann noch, als die zahlenmäßig weit überlegenen Perser, von einem Verräter geführt, sie umgangen hatten. 

Ihr Opfertod rettete das Hauptheer, das ein Jahr später den Endsieg bei Platää erringen konnte. Dieser Paß zwischen Gebirge und Meer war im Altertum durch drei Tore gesperrt, die zusammen mit den heißen Schwefelquellen dem Ort den Namen gaben. Es widerspräche jedem Verständnis für die Antike, wollte man annehmen, daß diese Stelle den Griechen nicht geheiligt gewesen wäre. In der soeben erwähnten Schlacht bei Platää griff die Göttin Hera persönlich in das Geschehen ein, indem sie dem Pausanias mit seinen Spartiaten und Periöken befahl, im

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Fig.2
Seeschlacht bei Salamis zum Schutz von Eleusis (480 v. Chr.)

 

persischen Pfeilhagel unerschütterlich auszuharren. Dadurch und durch das Manövrieren der anderen griechischen Truppen wurde die Schlacht gewonnen. Skeptiker mögen das für einen Trick oder für eine Art der moralischen Ermunterung der Gruppen durch Pausanias halten; wichtig für uns ist allein die Tatsache, daß die kämpfenden Griechen selbst an das Eingreifen der Göttin zu ihren Gunsten glaubten. Auch bei der fast ein halbes Jahrhundert später ausgetragenen Schlacht bei Salamis auf Zypern, in der Kimon von Athen einen Sieg über die Perser errang, handelte es sich nicht nur darum, diese wichtigste Griechenstadt an der Ostküste der Insel Zypern zu schützen. Dort, ostwärts von Nikosia und in der Nähe von Famagusta, befand

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sich eine riesige Tempelanlage, vor deren Toren die Schlacht als Gottesurteil ausgefochten wurde.

Der Geist, der die Griechen in diesem so entscheidenden Krieg befeuerte, wird am besten von Aischylos wiedergegeben, der in seiner Tragödie »Die Perser« schrieb:

Söhne der Hellenen! Auf!
Befreiet unser Vaterland!
Befreiet Weib
Und Kind!
Befreit der Heimatgötter Heiligtum,
Der Ahnen Gräber!
Jetzt um alles gilt's den Kampf!

 

Wie ungeheuer bedeutungsvoll die Perserkriege waren, und zwar nicht nur für die Griechen, sondern für die gesamte Menschheit, beschreibt Rudolf Steiner: 

»Denn in diesen Perserkriegen sehen wir, wie die Helden des Griechentums in flammender Begeisterung für dasjenige, was sie empfangen hatten von ihren Vorvätern, sich entgegenwarfen der Strömung, die sozusagen als die verfallende Strömung des Morgenlandes sich ihnen entgegenwälzt. Und was jenes damalige Entgegenwerfen bedeutet, wo die griechische Tempelweisheit, wo die Lehrer der alten griechischen Mysterien in den Seelen der Helden der Perserkriege kämpften gegen die abflutende Kultur des Morgenlandes, gegen die babylonische Kultur, wie sie die späteren Perser übernommen hatten, was das bedeutet, das kann die Menschenseele erfassen, wenn einmal die Frage aufgeworfen wird vor dieser Menschenseele: Was hätte werden müssen aus diesem südlichen Europa und damit aus dem ganzen späteren Europa, wenn dazumal der Anprall der großen physischen Massen aus dem Orient nicht von dem kleinen Griechenvolke zurückgeschlagen worden wäre?«79 

»Das werden wir empfinden als ein Ergebnis spiritueller Machte, die dem Griechentum das gebracht haben, was ihm gebracht werden mußte. Wir werden das alles fühlen in den Seelen der griechischen Helden, die Hegen die Perser in den verschiedenen Schlachten standen.«80

Die Jahre nach den Perserkriegen brachten, vor allem nach der Eroberung von Byzanz im Jahr 478 v. Chr., einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung. Der Geldumlauf stieg gewaltig, die Familien wurden reicher als zuvor. Aber wie es immer in Zeiten großen Reichtums zu geschehen pflegt, so geschah es auch hier. Immer mehr Städte der im Athenischen Seebund vereinigten Griechen kauften sich durch Geld vom Kriegsdienst frei und legten

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damit, kurzsichtig, den Grund für die späteren Gewaltmaßnahmen der Söldnerheere gegen sie selbst. Nur Sparta nahm an diesem Bund nicht teil, ja es beobachtete ihn mit wachsender Unruhe.

Durch den Zuwachs an Staatsmitteln war Athen bald in der Lage, Tausende von Hoplitenrüstungen an seine Kleinbürger und Kleinbauernfamilien auszugeben, die sich vorher eine solche Rüstung nicht hatten leisten können. Auch die Bevölkerungszahl wuchs, so daß Athen bald etwa 16.000 bis 20.000 Hopliten aus eingesessenen Vollbürgern und »schutzverwandten« Fremden, den Metöken, stellen konnte. Dazu kamen etwa 1000 bis 2000 Reiter, die in den Kämpfen von Hellenen gegen Hellenen im Peloponnesischen Krieg wieder zu Ehren kamen. Selbst Athens Feind Sparta stellte ein Reiterkorps auf. Daneben verfügte Athen über ein Bogenschützenkorps von 1600 Mann. Den Wert der Bogenschützen hatte man ja auf bittere Weise in den Perserkriegen kennengelernt. Diese Bogenschützen waren zunächst vornehmlich solche Bürger, die nicht reich genug waren, um sich ein Pferd halten zu können, aber immerhin so wohlhabend, daß sie genügend Zeit für ihre langwierige Ausbildung aufbringen konnten, ohne dem wirtschaftlichen Ruin zu verfallen.

Da die Feldzüge immer länger wurden, machten bald viele Bürger aus dem Hoplitendienst ein Gewerbe. Auf der Suche nach Ersatzleuten entstanden die Söldnerheere, die an Schlagkraft allerdings den Bürgermilizen weit überlegen waren, vor allem weil sie von Berufsoffizieren geführt wurden.

Bevor wir in der geschichtlichen Entwicklung weitergehen, soll noch einmal betont werden, daß ohne die Perserkriege, die von beiden Seiten mit äußerster Erbitterung durchgefochten wurden, ohne den griechischen Kampfwillen, der den Tod dem Verlust der Freiheit vorzog, und ohne den griechischen Sieg die weitere Menschheitsentwicklung, vor allem in Europa, einen ganz anderen Verlauf genommen hätte. Dieser Sieg, wie auch andere kriegerische Entscheidungen ähnlicher Größenordnung, ermöglichte erst die Entwicklung in der Menschheitsgeschichte in der von den geistigen Wesen geplanten Weise. Allein von der Seite der Militärtechnik her gesehen, erbrachten die überlegene Führung, die ausgereifte militärische Technik, zu der vor allem Waffen und Rüstung gehörten, und der entschlossene Nahkampf der in der Phalanx zusammengefaßten Krieger den Sieg über einen Feind, der zwar Mann für Mann jedem Griechen an Kampfkraft überlegen, an Schutz- und Trutzwaffen jedoch unterlegen war, so daß selbst der Kampf Mann gegen Mann für ihn aussichtslos blieb.

Ganz im Sinn dieser Entwicklung, die auch den ersten Ansatz zur Ausbildung der Verstandesseele widerspiegelt, entstand damals auch die erste klassische militärtheoretische Schrift, die Xenophon (etwa 430-354 v.Chr.) verfaßte. Dieses »Kyropädie« genannte Werk ist ein Erziehungsroman, in

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dem Xenophon, einzelne geschichtliche Ereignisse frei benutzend, das Heranwachsen des älteren Kyros zum idealen König schildert. 

Xenophon war ein athenischer Adliger. Als junger Mann schloß er sich Sokrates an, dessen sittliches Vorbild ihm tiefen Eindruck machte, wenn er auch als Mensch von praktisch nüchternem Sinn dem geistigen Streben des Philosophen fremd gegenüberstand. Im Jahr 401 v. Chr. trat Xenophon als Offizier in die Griechentruppe des Kyros ein und leitete nach der Katastrophe von Kunaxa mit Erfolg den schwierigen Rückzug, den er dann in seiner >>Anabasis« schilderte. 

Als Berufsoffizier hatte er bereits in der »Kyropädie« erkannt, daß die Kriegführung nicht eine Wissenschaft, sondern eine Kunst ist. Als praktischer Soldat wußte er auch, daß mit der damaligen Bewaffnung der Nahkämpfer dem Fernkämpfer überlegen war und daß bei allen Erfolgen der Nebenwaffen die Hauptsorge des Feldherrn der Phalanx gelten mußte, eine Erkenntnis, die fast bis zur Erfindung der rasch feuernden Hinterlader und Maschinengewehre ihre Gültigkeit behielt.

Bis dahin war jede Schlacht, die zwischen Phalangen ausgetragen worden war, eine Parallelschlacht gewesen. Das bedeutete, daß die beiden Heere sich in parallelen Linien gegenüberstanden und gleichmäßig aufeinander vorrückten. Durch die schon erwähnte Tatsache, daß die Phalanx automatisch nach rechts zog und dort die besten Krieger standen, kam es im Verlauf der Schlacht dazu, daß der rechte Flügel den feindlichen linken schlug. Die Schlacht drehte sich dann quasi um ihren Mittelpunkt, bis eine Seite sich zur Flucht wandte und dem Gegner das Schlachtfeld überließ.

Das blieb so, bis Epaminondas erschien. Im Jahr 371 v.Chr. überraschte er bei Leuktra mit seinen Thebanern die feindlichen Lakedaimonier mit einer neuen Taktik. Wahrscheinlich beließ auch er die besten Krieger auf seinem rechten Flügel, aber gerade dadurch, daß er diese Krieger dort einsetzte und ihnen befahl, gegenüber dem linken Flügel der Spartaner auf der Stelle zu treten, konnte er ihn zugunsten seines eigenen linken Flügels schwächen. Dort verstärkte er die Phalanx derart, daß sie fünfzig Glieder tief stand und überdies noch im Gelände angelehnt war. Manche haben darin eine »schiefe Schlachtordnung« erkennen wollen, das trifft aber nicht zu, da es sich auch hier um eine Parallelschlacht handelte. Außerdem beorderte er noch die thebanische Reiterei und die aus hellenisch-illyrischen Mischstämmen bestehenden leichtbewaffneten Peltasten dorthin, die inzwischen einen langen Degen und zu den Wurfspeeren noch eine Stoßlanze bekommen hatten. Ihre ausgezeichnete Disziplin und ihr Korpsgeist ermöglichten es ihnen, durch Speerwürfe die Reihen der feindlichen Hopliten zu erschüttern und dann geschlossen in sie einzubrechen. Hier, bei Leuktra, kämpften sie zusammen mit der thebanischen Reiterei im sog. zerstreuten Gefecht. Einer solchen gemischten

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Truppe aus Reiterei und Fußvolk werden wir später noch bei den Urgermanen begegnen. Ihr Einsatz geschah nicht im Sinne des Schockangriffs der neuzeitlichen Schlachtenkavallerie mit dem Ziel des Durchbruchs durch den Feind; da sie ohne Sattel und Bügel, lediglich auf einer Decke sitzend, die Wucht des Anpralls nicht ausnutzen konnten, suchten sie den Einzelkampf.

Der sieggewohnte rechte Flügel der Lakedaimonier stieß nun mit dem ungeheuer verstärkten linken Flügel der Thebaner zusammen. Auch der Angriffsschwung der Spartiaten vermochte gegen eine solche Übermacht nichts auszurichten. Sie mußten ihr erliegen. Xenophon sagt, in der Schlacht bei Mantinea, die Epaminondas 362 v.Chr. gegen Spartaner und Athener auf die gleiche Weise anlegte, habe die tiefe Kolonne der Thebaner mit ihrem Gewaltstoß wie eine Triäre, die das feindliche Schiff rammt, die spartanische Phalanx durchbrochen. In der Zwischenzeit war der linke spartanische Flügel, wie es dem traditionellen Verlauf einer Hoplitenschlacht entsprach, nur stockend und zögernd gegen den auf der Stelle tretenden rechten Flügel der Thebaner vorgegangen. So kam das Gefecht dort überhaupt nicht oder erst viel zu spät in Gang. Der rechte Flügel der Spartaner war längst geworfen und die Schlacht damit entschieden worden. Der linke suchte daraufhin sein Heil in der Flucht.

Zum ersten Mal hat so Epaminondas die Flügelschlacht erfolgreich in die Kriegsgeschichte eingeführt, die drei Waffengattungen der Hopliten, Reiter und Leichtbewaffneten zu einer organischen Einheit verschmolzen und damit die Starrheit der Phalangenschlacht aufgelockert. Mit dieser Neuaufstellung, die zu ihrer Zeit etwas Unerhörtes darstellte und noch heute unsere Bewunderung verdient, hat Epaminondas gezeigt, daß die Aufstellung der Truppen in jeder Schlacht geändert werden konnte und schon in ihrem Ansatz der Schlüssel zum späteren Sieg liegen mußte. Der Feldherr erhielt damit ein geistiges Übergewicht über die ihm unterstellten Führer und in Fachfragen auch über die Politiker, in deren Auftrag er handelte. Von nun an wurde die Schlacht zum intellektuellen Kalkül.

Bisher ist immer wieder von Schlachten auf heiligem Boden oder vom Eingreifen der Götter in die Schlacht gesprochen worden. Doch kannte auch bereits die griechische Antike einen »heiligen« Krieg. Im Jahr 356 v.Chr. beschuldigten die Thebaner die Phoker, also die Bewohner der griechischen Landschaft um Delphi und den Berg Parnas, das dem delphischen Apollon geweihte Land bebaut zu haben. Die Amphiktionie, der heilige Zwölfstämmebund der Griechen, erklärte daraufhin den »heiligen« Krieg. Die Phoker vermehrten ihre Schuld noch dadurch, daß sie die Weihgeschenke aus Delphi raubten und das Gold in Münzen umschmolzen, um ihre Verteidigung bezahlen zu können. Im Jahr 346 unterlagen sie dem zu Hilfe gerufenen Philipp

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von Makedonien. Der Amphiktionenrat beschloß daraufhin die Zerstörung aller Städte in Phokis. Die Phoker mußten abrüsten, durften weder Waffen noch Pferde besitzen und sollten eine Kriegsentschädigung von 10.000 Talenten in Raten an die Sieger zahlen. Sie haben sich von dieser Niederlage nie wieder erholen können. Das zeigt sich vor allem darin, daß sie zum Spielball der Politik der anderen Mächte wurden und diesen, vor allem in der Diadochenzeit, ihr Land sehr oft als Kriegsschauplatz diente. Zu Beginn der Römerherrschaft im Jahr 146 v.Chr. war das Land völlig verarmt. Dies ist das erste Beispiel in der Geschichte für die Verarmung und Versklavung eines Volkes durch einseitige Abrüstung und damit Verzicht auf das Notwehrrecht des Staates.

Am Ende dieses Abschnitts, der der Geschichte von den Perserkriegen bis zum Einfall der Makedonier gewidmet ist, soll noch einmal hervorgehoben werden, daß die für die Geschichte der Menschheit, eines Volkes oder Stammes entscheidenden Schlachten der Antike auf heiligem Boden geschlagen wurden. Nicht den Menschen, sondern den Göttern wurde damit die Entscheidung zugewiesen. Nun soll allerdings nicht bestritten werden, daß Schlachten auch an Stellen geschlagen wurden, in deren Nähe sich keine Heiligtümer befanden. Dann aber wurde bei verabredeter Schlacht vorher stets das Schlachtfeld durch Gottesdienst und Opfer geheiligt. Nur gegen einen Feind, der wider göttliches Gesetz verstoßen hatte und damit zum Verbrecher geworden war, durfte auch ohne Einhaltung dieser Riten mit Gewalt vorgegangen werden. Der Verlauf der weiteren Geschichte im Altertum wird dies noch deutlicher hervortreten lassen.

 

Makedonier

Inzwischen war im Norden eine neue Macht entstanden, die nach Athen, Sparta und Theben die führende Rolle in Griechenland übernehmen sollte: die Makedonier. Dieses Volk mit seinem hellenischen Königshaus und Adel und seinen illyrisch-thrakischen Bauern, die aber sicher nicht mehr fremdsprachig waren, trat unter seinem König Philipp II. (359-336 v.Chr.) an die Spitze des Heiligen Bundes zum Schutz des Tempels von Delphi und war damit in die Kultgemeinschaft der Hellenen aufgenommen. Dieser entscheidende Schritt sicherte ihm zugleich eine Machtstellung in Mittelgriechenland, wenn auch die Entscheidung über seine Hegemonie erst 338 v.Chr. in der Schlacht bei Chaironeia gegen die Thebaner und Athener fallen sollte.

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Als Philipp II. im Jahr 359 v.Chr. an die Macht kam, besaß sein Land bereits planmäßig angelegte Burgen und ein gut ausgebautes Straßennetz, das zu allen Zeiten Voraussetzung für eine erfolgreiche und großräumige Kriegsführung ist. Durch die Zentralisierung der Macht gelang es dem König, aus seinen adeligen Gefolgsleuten sowohl eine hervorragende schwere Adelsreiterei als auch ein ebenso gutes Offizierskorps für alle Truppen zu bilden. Es entstand eine Manneszucht, wie sie bisher in der Antike nirgendwo vorhanden war. 

Zum ersten Mal erreichte es Philipp II. sogar, den unbändigen makedonischen Adel in taktische Einheiten, den Ilen (Schwadronen) der Reiterei, zusammenzufassen. Daneben schuf er eine zweite schwere Reiterei, die Sarissophoren, die sich genauso gliedern und verwenden ließ, aber nicht aus Adeligen bestand. Diese beiden Gattungen schwerer Reiter führten als wichtigste Waffe die lange Stoßlanze. Ihre Aufteilung in Ilen ermöglichte eine hohle Beweglichkeit während der Gefechtsführung.

Die Mischung von leichtbewaffneten Fußkriegern und Reitern wurde dagegen wieder abgeschafft. Dafür wirkten aber die taktischen Einheiten der Reiter mit den taktischen Verbänden der Leichtbewaffneten zusammen. alexander der gr osse, auf den wir gleich zu sprechen kommen werden, schuf nach persisch em Vorbild zudem noch ein leichtes Reiterkorps aus Bogenschützen. Neu war auch die Gliederung der Phalanx bei den Makedonen, die nun sechzehn Gh eder tief, ohne Zwischenraum von Mann zu Mann und fast ohne Abstand zwischen den Gliedern stand. Wahrscheinlich besaß das erste und vielleicht noch das zweite Glied das zwei Meter langen griechischen Hoplitenspieß, während die nächsten Glieder den vier Meter langen makedonischen Spieß, die Sarisse, führten. Auf diese Weise konnten auch die weiter hinten stehenden» Männer ihre mit beiden Händen zu haltende Waffe zur Wirkung bringen. Die Stoßkraft dieser Gewalthaufen muß mächtig gewesen sein, und tatsächlich wurden sie überall mit der alten griechischen Phalanx fertig. Daneben gab es sowohl unter Philipp als auch unter seinem Sohn Alexander griechische Söldner, die in der althergebrachten Phalangenform kämpften, die dem einzelnen Mann mehr Spielraum beim Fechten ließ.

Außerdem schuf Alexander nach in taktischen Truppenkörpern zusammengefaßte Peltasten, Bogenschützen und Schleuderer, die besonders die Flanken zu decken und bei den Angriffen der Reiterei den Pfeilhagel der feindlichen Bogenschützen von den Reitern ab- und auf sich selbst zu lenken hatten, wie das vor allem bei Chaironeia geschah. Diese Schlacht darf daher als die erste angesehen werden, die mit verbundenen Waffen geschlagen wurde, eine gewaltige Fortentwicklung der Kriegskunst! Zu diesen Truppen gehörte noch ein Belagerungstroß, der vor allem Torsionsgeschütze besaß, darüber hinaus noch Rammböcke, Geräte zum Bau gedeckter Annäherungsgänge an Befestigungsanlagen, zum Anle-

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gen von Minengängen, zum Untergraben von Mauern und Türmen sowie zum Aufbau von Türmen zur Überhöhung der Mauern und zum Aufwerfen von Dämmen, auf denen diese herangeschoben werden konnten. Selbst Flammenwerfer mit »griechischem Feuer« waren bereits bekannt. Der Heerestroß wurde auf das Notwendigste beschränkt, straff gegliedert und gut ausgerüstet. Für die weiträumigen Feldzüge Alexanders war er unabdingbare Voraussetzung. Die Versorgung des Heeres durch die Militärintendantur des Mutterlandes und die vom König eingesetzten Satrapen mit ihrem llc-untenapparat, ohne den lange Feldzüge nicht denkbar sind, funktionierten .so reibungslos, daß sie noch heute unsere Bewunderung verdienen.

Der Sohn philipps n., alexander der grosse, wurde im Jahr 356 v. Chr. an dem Tag geboren, an dem herostrat den Tempel der Diana von l'.phcsus zerstörte: gleichsam ein Wahrzeichen für die Konfrontation dieser Persönlichkeit mit den ÜberresteB(i,rioer alten, spirituellen Zeit. Denn alexander war ganz individuelle Persönlichkeit und hat zur Persönlichkeitskultur Entscheidendes beigetragen.81 philipp n. hatte seine Frau olympias auf einer Mysterienfeier in Samothrake kennengelernt und auch dort geheiratet. Immer wieder behauptete sie, ihr Sohn alexander sei ein Sohn des Zeus,.Si6M Nftpiand sich alexander auch tatsächlich. Öffentlich erklärte er, er sei der wiedergeborene Achilles, und er opferte an dessen Grab, bevor er zur Eroberung Persiens nach Kleinasien übersetzte. Im übrigen lebte er fast genau 800 [.ihre nach dem in der »Ilias« beschriebenen Kampf um Troja.

Mit einem Heer von 30000 Mann Infanterie, 5000 Reitern und einem Stab bewährter Generale brach er im Jahr 3 34 v. Chr. zur persischen Expedition •tlil. Nach dem Überschreiten des Hellespont und der Opferung am Grab des Achilles errang er im Mai 334 seinen ersten Sieg in der Reiterschiacht am < iranikos, in der er die Reiterei selbst führte. Nachdem er im nächsten Früh-l.thr sein gesamtes Heer in Gordion vereinigt hatte, durchschnitt er dort mit dem Schwert den Gordischen Knoten, von dem gesagt wurde, daß, wer ihn lose, Herrscher von Asien würde, und erfüllte damit die Prophezeiung. Auch diese Tat darf keineswegs im modernen Sinn rein symbolisch aufgefaßt werden ; sie nahm ein tatsächliches Geschehen voraus und erzwang es auch nach der Auffassung der Zeit. Nachdem er mit seinem Heer bereits die Kilikische Plurte, jenen Paß, der das Einfallstor nach Syrien war, überschritten hatte, erschien darius hi. mit dem Perserheer in der Ebene von Issos in seinem Rucken. alexander scheute sich nicht, kehrtzumachen und die Schlacht mit verkehrter Front anzunehmen. Ein solches Wagnis zeugt von der ungeheuren Kühnheit, ja auch Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst und seine Truppen, mit der Alexander vorging. Dieses Verhalten legte er während seines ganzen Lebens an den Tag, wobei er selbst vor Mord und Verrat an seinen engsten

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Freunden nicht zurückschreckte. Im Positiven wie im Negativen war er ganz Persönlichkeit.82 Der Sturmangriff, den Alexander wie üblich selbst führte, entschied die Schlacht bei Issus. Im erbeuteten persischen Lager traf er auf Mutter, Gattin und Töchter des Darius und erwies ihnen königliche Ehren. Das beeindruckte Darius so sehr, daß er dem großmütigen Sieger danken ließ und ihm Frieden und die Hälfte des Reiches bis zum Euphrat anbot.

Dieser Lage aber traute Alexander nicht. Um der noch immer starken persischen Flotte, die seinen Nachschub bedrohte, die Stützpunkte wegzunehmen, stieß er die vorderasiatische Küste entlang nach Süden vor. Die stärkste Festung auf seinem Marschweg war Tyros. Und nun treten neben all diesen, auch in der Moderne noch geltenden operativen und strategischen Erwägungen die Vorstellungen der Antike ganz klar hervor. Vor Tyros erschien Alexander dem Grossen im Traum Herakles. Mit ausgestreckter Hand befahl er ihm, die Seefestung zu nehmen. 

Die Belagerung wurde mit allem Mitteln der damaligen Belagerungskunst durchgeführt. Schließlich wurde den Tyrern allmählich klar, daß sie ihre Stadt nicht mehr länger halten konnten. »Diese bangen Ahnungen manifestierten sich in düsteren Gerüchten. Apollon, so hieß es, wolle Tyros verlassen. Aber so fromm sie auch waren, diesmal ließen sie sich von der himmlischen Drohung nicht schrek-ken. Um die Flucht zu verhindern, banden sie das Standbild des Gottes mit gold-enen Ketten an seinem Sockel fest und verankerten es außerdem am Alta r ihres Melkart, in dessen Patriotismus sie offensichtlich mehr Vertrauen setzten, als in den des importierten Hellenen. Die antiken Historio-grap-hen maßen diesem Vorfall so große Bedeutung zu, daß sie ihn in insgesamt vier verschiedenen Berichten der Nachwelt übermittelten, einer davon staramt von dem griechischen Apollon-Priester Plutarch.. ,«83 Dieser Schi Iderung ist nur noch hinzuzufügen, daß das Ende des Kampfes um Tyros am Aginorschrein stattfand, an einem Heiligtum des Vaters der lyrischen Prin_zessin Europa.

W-^enn sich der Vorstoß an der syrischen Küste entlang noch mit modernen strategischen Gedanken erklären läßt, so trifft das nicht mehr für den Zug weiter nach Süden, nach Ägypten, zu. Dieses Land, das damals zu Asien gerechnet wurde, ergab sich kampflos. alexander wandte sich dort ganz bewußt der Oase Siwah zu. Dort begrüßten ihn die Priester des Orakels als den Zeus-Ammon. alexander, der von aristoteles in die Ge-heinnnisse der Welt eingeweiht worden war, suchte hier den Anschluß an die ägyptische Weisheit, um zu erleben, was in Samothrake als Theogonie, als Götterwerden, gelehrt worden war, und es seinem Weltreich einzuverleiben. Er brachte damit die aristotelische Naturwissenschaft - sie stammte aus eleusinischen und chthonischen Mysterien - nach Asien, von wo aus

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sie im Mittelalter durch Vermittlung der Araber in modifizierter Form wieder nach Europa zurückkommen sollte.

Dem gleichen Streben nach einer Verwirklichung der Götterwelt diente auch sein Zug nach Persien und Indien. Persien eroberte er ganz. Nach der Entscheidungsschlacht von Gaugamela setzte er zur ersten rücksichtslosen Verfolgung des Feindes bis zum letzten Hauch von Roß und Mann in der Geschichte an. Er fühlte sich nun als Nachfolger des persischen Großkönigs und überschritt sogar den Indus. Da verweigerte ihm das Heer den Gehorsam, und unwillig mußte er vom weiteren Vordringen ins Unbekannte absehen. Gegen Ende des Jahres 326 v.Chr. erreichte er mit dem Schiff auf dem Indus den Indischen Ozean. Sein Admiral nearchos se-Hfltc mit der Flotte in den Persischen Golf, während alexander selbst mit ilcm Landheer nach einem furchtbaren Marsch durch die gedrosische Wü-»tc Susa erreichte. Um eine Verbindung zwischen Griechen und Persern zu »chaffen, feierte er dort mit 10000 Makedonen und Asiatinnen eine Mas-»cnvermählung und nahm selbst nach orientalischer Sitte eine Tochter des darius zur zweiten Frau.

Die spirituellen Ergebnisse dieser, dem materialistischen Denken unserer /cit so sinnlos erscheinenden Alexanderzüge (s. Fig. 3) liegen vor allem in »Icr Vermischung und Veredelung der alten asiatischen Geistigkeit durch die hellenische Kultur. Die griechische Sprache wurde in diesem gesamten rauit) zur Sprache der Gebildeten. Das allerwichtigste Ergebnis aber besteht wohl darin, daß es allein durch die Alexanderzüge möglich geworden i»l, daß die Evangelien griechisch verfaßt werden konnten und der Christus »cllist dadurch seine Botschaft griechisch vermitteln konnte. Keine andere Sprache kennt z.B. das Wort agape mit seinem Begriffsinhalt. Auf derVor-jj ctzung von alexanders Kriegszügen konnte christus die Agape als l der Menschheitsentwicklung verkünden, die höchste Liebe unter den i sehen, deren Bedeutung zunächst noch nicht einmal ein petrus ver-JU^nd, wie es Rudolf Fnehng in seinem Buch schildert.84

Neben der riesigen Aufgabe, dieses Reich zu ordnen, beschäftigten alexander gewaltige neue Pläne. Über Arabien wollte er von Ägypten aus westwärts ziehen, Karthago und Rom unterwerfen, um sich dann mit der ganzen keltischen Welt in Spanien, Gallien und Britannien zu verbinden. Die kelti-»chcn Druiden hatten seit langem Beziehungen zu den griechischen Myste-ricnstätten gepflegt. Aber in ihren hybernischen Mysterien schauten sie die «cixtige Welt traumhaft, passiv im alten Sinne. Wäre die enge Verbindung mit den Hellenen zustande gekommen, so wäre verfrüht ein verstandesmäßiges l'lcment in das keltische Wissen gekommen. Das mußte zugunsten der späteren Menschheitsentwicklung verhindert werden, um ihr den aktiven Zugang

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Fig-3 
Reich und Feldzüge Alexanders des Großen

 

zur geistigen Welt der Epoche der Bewußtseinsseele vorzubehalten. alexander scheiterte hier.

Zur Geschichte des Kriegswesens ist zu sagen, daß Alexander seine Fußtruppen immer in zwei Flügeln aufmarschieren ließ, von denen er meist den rechten selbst kommandierte, während er die Führung des linken Flügels seinem Stellvertreter überließ. Beide Flügel wurden durch Reiterei und Leichtbewaffnete gedeckt. Den letzten, entscheidenden Angriff führte alexander immer selbst an. Unzählige Male wurde er verwundet, aber

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niemals scheute er sich, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Jedoch hatte das auch taktische Gründe. Der Feldherr konnte zur damaligen Zeit nicht ständig in den Verlauf der Schlacht eingreifen. Die Verbände waren zu unbeweglich, als daß man sie etwa an einer Stelle einsetzen, dann aus dem Gefecht ziehen und »piltcr von neuem hätte verwenden können. Eine einmal eingesetzte Truppe blieb während des gesamten weiteren Verlaufs der Schlacht im Gefecht. Deshalb befahl alexander den Ansatz der Schlacht, manchmal auch noch den l'.insatz der zurückgehaltenen Verbände, setzte sich aber im entscheidenden

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Moment selbst an die Spitze des zum Hauptstoß eingesetzten Verbandes. Seine Unterführer genossen unter ihm allerdings ein gewisses Maß an Selbständigkeit, die es ihnen erlaubte, Teile der Phalanx, der Reiterei oder der LeicB-itbewaffneten auf eigenen Entschluß hin ins Gefecht zu führen, wie das z. B. bei Issos geschehen ist. Die Aufteilung der Phalanx in Abteilungen und Unterabteilungen unter jeweils eigene Führer, unter denen sicher größere Zwisschenräume bestanden als noch bei Marathon, erleichterte wesentlich die Abwehr der persischen Sichelwagen, wie sie z.B. in der Schlacht bei Gaugamela eingesetzt waren. Hier öffneten die Griechen gegenüber den Strei twagen einfach ihre Reihen, so daß sie ins Leere stießen und mit ihren Sicheln nur wenig Unheil anrichten konnten. Diese Schlacht brachte zu-gleic h das Ende der Streitwagenwaffe, die jahrhundertelang die Schlachtfelder beherrscht hatte.

N-och ein letztes Mal wurde das griechische Heer einer Zerreißprobe ausgesetzt, als der indische König porös in der Schlacht am Hydaspes 327 v.Chr. 85 Elefanten, die Panzerwagen des Altertums, ins Gefecht führte. Allerdings waren die Elefanten für die Griechen und Makedonier keine tak-tiscrfae Überraschung mehr, da sie sie seit über einem Jahr durch verbündete indische Fürsten kannten. Sie wußten, daß die Elefanten durch Speere und PfeiLe zu verwunden waren, und griffen sie daher mit den Peltasten und Bogenschützen an. Schließlich begannen die verwundeten Tiere zu fliehen und wurden in ihrer Angst zur Gefahr für die Inder selbst. Gerade dieser Gefahr wegen führten die Elefantenführer eine meißelartige Waffe mit sich, mit -der sie im Notfall in Panik geratene Tiere rasch töten konnten. Wie wenng die Elefanten tatsächlich im Gefecht wert waren, zeigt schon die Tatsach e, daß die Römer sie nie einsetzten. Allerdings bedurfte es eines stand-feste-n und vor allem disziplinierten Fußvolkes, um den Ungeheuern standzuhalten. Und Disziplin besaß das makedonische Heer mehr als alle seine Geg_ner.

iim strategischer Hinsicht war neu, daß alexander mit seinen ausgezeichnete n Truppen die ganze damals bekannte Welt im Norden und Osten seines Reiches in das Kriegsgeschehen einbeziehen konnte. Unter ihm erreichte das ^Kriegswesen der Griechen in bezug auf Heeresverfassung, Taktik und Strategie seinen Höhepunkt. Alle unter den Diadochen eingeführten Verän-derrngen und Modifikationen sind im Grunde genommen unbedeutend. Unv-ollkommen wie sein eigenes Werk, das alexander im Juni 325 v. Chr. bei seinem Tode zurückließ, war auch die Konstruktion der Reiche, die sein^ Generäle von ihm übernahmen. Nach endlosen Kriegen untereinander fiele n sie den Römern zum Opfer.

 

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Kelten

Es wurde oben von der Absicht alexanders gesprochen, über Afrika nach Westen vorzustoßen und die Verbindung mit den Kelten aufzunehmen. Damit wäre durch die Griechen die Brücke geschlagen worden zwischen den beiden großen, die Sonne verehrenden Völkern, den Persern im Osten und den Kelten im Westen. Woher stammten nun diese Kelten, die eine so große Rolle für die spätere Entwicklung Europas spielen sollten ? In der Archäologie herrscht heute im großen und ganzen Einigkeit darüber, daß von echten Kelten erst ab etwa Mitte des I.Jahrtausends v.Chr. gesprochen werden kann. Die von ihnen geprägte Kultur ist die La-Tene-Kultur. Sie sind die Überwinder der ersten Eisenzeit, der Hallstatt-Zeit. Zentrum dieser La-"lene-Kultur sind Süddeutschland, die Schweiz und Ostfrankreich. Daher »ctzt die Spatenwissenschaft diesen Raum auch als Urheimat der Kelten an. Die Sprachwissenschaft allerdings vermag etwas tiefer zu gehen. Sie hat eine erste sprachliche Gemeinsamkeit zwischen Kelten, Germanen und Italikern in der Jungsteinzeit festgestellt. Noch im Z.Jahrtausend v.Chr., wahr-u'heinlich gegen dessen Ende, trennten sich die Kelten, Italiker und Veneter von den Germanen und bildeten möglicherweise im nördlichen Balkan eine neue Völkergruppe, deren Zusammenhang vornehmlich durch die verbale r-l'lndung der Mediopassiva und Passiva erschlossen wurde.8S Danach müssen Iialiker und Kelten noch eine Zeitlang einen gemeinsamen Weg zurückgelegt haben, da vor allem beide Sprachen als einzige die -ibus-Endung im Dativ plurahs aufweisen. Erst ab der Bronzezeit trennten sich dann die Italiker und y.ogen nach Süden, während Kelten und Germanen, wie es die Lehnwörter hc'/.eugen, neuerdings wieder in enge Berührung miteinander kamen. Bis /um Verschwinden der Kelten aus der europäischen Geschichte besaßen dann Kelten und Germanen eine gemeinsame Grenze. Der Ring der Kultur- und Wohngemeinschaft stemzeithcher Tage schließt sich damit wieder in der Ei-»cn/.eit, in der die Kelten als Volk ihre Selbständigkeit erlangten. Damit bewahrheitet sich auch die Druidenüberlieferung, nach der die Urheimat der Kelten und Gallier im Land nordostwärts der Rheinmündung lag.86

Ähnlich drückt sich auch poseidonios von rhodos (ca. 135-51 v.Chr.) aus, dem wir als Geschichtsschreiber die erste eingehende Behandlung der Kelten und Germanen anläßlich des Kimbern-Sieges des marius verdanken. Zwischen den beiden Völkern macht er noch keinen Unter-»chied. Er spricht von einer keltisch-germanischen Einheit und verlegt die Urheimat dieser Völkergruppe in die Nähe der Nordmeere.87

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In einem der bedeutendsten Werke über die Kelten heißt es: »In der Bronzezeit war das Klima Mitteleuropas trockner und wärmer als heute; der Ein-bruclh von Feuchtigkeit und Kälte, der die Pfahlbautenleute der Schweiz zwang, neue höhergelegene Siedlungen zu bauen, war besonders m Nordeuropa verhängnisvoll. Die Stämme, die an der Küste von Nord- und Ostsee wohznten, mußten nach wärmeren Gegenden auswandern, und der Druck, den sie auf ihre Nachbarn ausübten, verursachte in einer Kettenreaktion die Vers chiebung von Stämmen, die zwischen Rhein und Elbe ansässig waren. Die "Wanderung der Pelendonen verlief über Mittelbelgien bis nach der Gi-roncie und den Landes, während Splittergruppen sich im Südosten der Pyre-näerx und in Spanien niederließen; andere Pelendonen überquerten den Ar-mell-s.anal. Die französische Küste von der Picardie bis in die Vendee wurde eberafalls von keltischen oder halbkeltischen Stämmen in Besitz genommen. So v erlief die erste Phase der Keltisierung Westeuropas, die im Zusammenhang mit einer Naturkatastrophe erfolgte, die die Germanen Nordeuropas heimsuchte. Eine zweite Welle keltischer Wanderungen, ebenfalls durch den Dru-ck der Germanen verursacht, datiert Bosch-Gimpera um ein Jahrhundert später, zwischen 700 und 650 (v.Chr.). Dieses Mal waren Gruppen aus Nor-dost-Holland (die Cempsi) bis in die Landes vorgedrungen, von wo sie die dort ansässigen Pelendonen nach Spanien vertrieben... - Aber viele Stär-nme, die Befestigungen in großer Zahl in Burgund, in der Franche-Cor-nte, im Elsaß und an der Mosel errichtet hatten, ließen sich nicht nach dem Süd en mitreißen. Sie fanden auf den Höhen Zuflucht, während die Eindnng-ling.e durchzogen, und nahmen nach deren Durchmarsch ihre alten Nieder-lass-ungen wieder ein. Auf diese Weise blieb die ethnische Struktur des Landes im großen und ganzen unverändert.«88 Von diesen Bewegungen der Kelten naclh Süden künden vor allem auch die Fluß- und Ortsnamen. So haben z.B. die -später in der Schweiz ansässigen Rauraker ihren Namen der Ruhr hmter-lass en. Keltische Bergwerke wurden im Siegerland und in der Nähe von Wu-ppertal festgestellt. Bei diesen keltischen Wanderungen wie wohl bei allen ant5ken Wanderungen wurde die Urbevölkerung meist nicht vernichtet oder vöOig vertrieben; die Kelten stellten sich lediglich als Herrenschicht über sie, ein typisches Beispiel dafür sind die Gallier in Frankreich.

In Irland hatten sich die uralten hybernischen Mysterien erhalten, die vor alle-m von den sich dort bildenden keltischen Stämmen bewahrt und weiter-tracdiert wurden. Die von ihnen und den gesamten keltischen Völkern stamme nde Mysterienerziehung war die Grundlage für die gesamte Kultur Europas-.89 Die Kelten erhielten nämlich durch ihre Eingeweihten, die Druiden-priester, einen Unterricht aus höheren Welten, den sie dann an die übrigen Völker weiterzugeben hatten. Die alten keltischen Mysterien brachten der

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europäischen Kultur die Mysterienweisheit zu einer Zeit, die vor der eigentlich germanisch-nordischen Entwicklung liegt.90 Aus dem vorchristlichen Sonnenkult, der in den Steinkreisen in Irland und England, aber auch tief im

•irahischen Süden, in Saba, gepflegt wurde, entwickelte sich der Impuls der »patcrcn Gralsströmung.91

Die die Geheimnisse der Mysterien pflegenden und wahrenden Priester mnnu'n die Kelten Druiden. Nach plinius bedeutet dieses Wort »Eichenkundiger«. Neuere etymologische Forschungen neigen aber mehr dazu, das Wort auf das Superlativpräfix ''dru und den Stamm -wis, wid von '"voeid -

wissen« zurückzuführen. Der Name hätte dann die Bedeutung »Allwis-»cr-, »Allwissender«. Nach cäsars altbekannter Beschreibung in seinen

• Kommentaren zum Gallischen Krieg« waren sie Erzieher, Richter und Prie-»Icr, bildeten zusammen mit den Rittern die höchste Gesellschaftsschicht und waren von Kriegsdienst und Steuern befreit. Keine Entscheidung und kein < >pfcr - auch kein Königsopfer - konnte ohne Druiden beschlossen und voll/.ogen werden. Das religiöse Zentrum der gallischen Kelten lag im Land ilcr Carnuten, von denen Chartres seinen Namen hat. Dort wurde auch der < >bcrdruide, der Gutuater, der Priester, »der die Götter anruft«, gewählt. Manchmal entschied ein Zweikampf die Wahl. Nach cäsar befand sich die höchste Lehrstelle der Druiden in Britannien, die die Studierenden zwanzig (ahrc lang zu besuchen hatten. Rudolf Steiner bezeichnet auch die germani-»»lu'n Eingeweihten als Druiden, erklärt dies aber damit, daß er die Druiden

•il» Eingeweihte dritten Grades bezeichnet. Diese Druiden pflegten bei den keltisch-germanischen Völkern in Nordeuropa eine Licht-Religion, deren ({chcimnisvolle Steinsetzungen und Steindenkmäler wir z. T. heute noch bewundern können. Die Beziehung dieser Weihestätten zur Sonne ist inzwi-«< lirn vielfach nachgewiesen worden. »Die Verehrung des großen Gestirns war für die druidische Weisheit eine Quelle genauer geschichtlich-exakter Siandortbestimmung. In der Bride-Sage ist fesgehalten, daß im iroschotti-»»hcn Bereich die Einzelheiten der Jesusgeburt von Bethlehem längst bekannt waren, als die ersten Berichte auf äußerem Wege dorthinkamen. Die nordi-»t'hcn Eingeweihten hatten in hellfühlender Gleichzeitigkeitswahrnehmung <llc die eingreifenden Tatsachen, die sich in Palästina ereigneten, aus den kosmisch-irdischen Lichtverhältnissen abgelesen. Dolmen und andere Stein-hciligtümer waren ihre Erkenntnistempel, wo sie im Geheimnis der Schatten

•lic feineren geistigen Wirkungen des Lichtganges aufsuchten. Hier erfuhren iic tlic rechten Zeiten. Und in dieser >Sonnenforschung< offenbarte sich ihnen luch die historische Stunde, da der Sonnenlichtergeist auf der Erde erschien. (Als später die römischen Missionare in jene Gegend kamen, verstanden sie <la* ursprüngliche Sonnen-Christentum der Iroschotten nicht und gingen mit

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kriegerischer Gewalt gegen die vermeintlichen >heidnischen< Elemente vor. Diese«- brutale Eingriff hat die Entwicklung des Christentums in Europa weit zurückgeworfen.)«92 Für die Gemeinsamkeiten keltischer und germa-nischesr Kultstätten sprechen vor allem auch die Externsteine.93

Pointisch bildeten die Kelten keine Einheit. Dafür darf aber von einer religiösen und kulturellen Einheit gesprochen werden. Etliche Stämme wurden durch einen König, andere durch einen Vergobret, einen» Vollstrecker der UrteiLe«, geführt, wie es cäsar im »Gallischen Krieg« beschreibt. Zweifellos ha_ndelte es sich um ein Sakralkönigtum. Dabei wurde das Heil des ganzen Stammes durch die Druiden dem König inkorporiert. Wir werden das später- noch bei vercingetorix sehen. »Ein Mißerfolg im Krieg war das Zeichen, daß die Götter ihn [den König] verlassen hatten und daß er nicht mehr berufen war, das Kriegsvolk zu führen. Mancher Keltenkönig hat sich unter solchen Umständen das Leben genommen wie Brennus nach dem Scheitern des Raubzuges gegen Delphi. Die körperliche Unversehrtheit des Königs war unbedingt notwendig: Ein König, der ein Auge verloren hatte, wurde sofort abgesetzt.«94 Von den antiken Schriftstellern werden die Kelten als sehr groß, rotblond, blauäugig, kämpf- und kriegslüstern, tapfer und furchtlos geschildert. Den Kampf betrachteten sie als eine Art Duell, dessen Ausgang sie als Gottesurteil annahmen. War das Gottesurteil gefällt, so hielten sie jeden weiteren Widerstand für sinnlos. Sie begaben sich dann willenlos in die Sklaverei.

Dem religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Mittelpunkt der keltischen Stämme bildeten die Oppida. Sie waren festungsartig ausgebaut und durchi die berühmte »gallische Mauer «geschützt, zumindest in Gallien und Süddesutschland. Anscheinend war in Süddeutschland und in Teilen Britanniens das religiöse Zentrum aus den Oppida in die nahegelegenen Vierecks-schan_zen verlegt worden. Der Name » Viereckschanze « rührt nur davon her, daß b-is vor kurzem ihre Funktion noch nicht geklärt werden konnte. Jetzt aber steht fest, daß es sich um Kultplätze lokaler Gottheiten handelte.

Im Kriegsfall wurden die Oppida wie Festungen verteidigt, allerdings wie Festu-ngen, die eben auch Hauptkultstätten des Stammes waren. Darüber hinaus retteten sich die keltischen Stämme in Fliehburgen wie etwa im Elsaß oder Ein der Franche-Comte, wo sie dem bereits beschriebenen Zweck dienten. V^on einer ganzen Befestigungslinie, der der bereits angedeutete Maginot-Geda-nke zugrunde liegt, kann im Verlauf der deutschen Mittelgebirge gesprochen werden. Sie schützte das keltische Siedlungsgebiet gegen die von Norden andrängenden Germanen. Erst in jüngster Zeit konnte festgestellt werden, daß es sich zum mindesten bei einem Teil von ihnen, wie z. B. bei der Milse-burg, der Glauburg und dem Altkönig, entlang der Linie Hohe Röhn-

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l'iiunus, sowie beim Golo-Ring, nördlich von Koblenz, auch um Heiligtümer handelte. Ähnliches kann über die keltischen Befestigungen auf den V<»nesenhöhen vermutet werden. Wieder erweist sich die Tatsache, daß in ilcr Vorstellung der Alten nicht der Mensch mit seinen Befestigungen allein ililx Land und seine Bewohner schützt, sondern vor allem die Gottheit, die in der Festung wohnt.

In der gesamten Kriegsgeschichte der antiken Welt wird einem Ereignis verhältnismäßig geringe Bedeutung beigemessen, das jedoch für die Begründung antiker Feldzüge von ausschlaggebender Bedeutung ist. Natürlich handelt es sich mit dem Folgenden um eine Hypothese, aber diese Hypothese besitzt zum mindesten die Wertigkeit der Aussagen antiker Schriftsteller, vornehmlich des livius über die Raublust und Kriegslüsternheit der Kelten. Schließlich waren sie für livius ja die Feinde, und Feinden hat man ins in der Geschichte unedle Motive unterschoben. Dieses Ereignis ist das im 400 v.Chr. beginnende ver sacrum der Kelten, das das ganze 4.vor-hristliche Jahrhundert hindurch dauerte. Bei diesem ver sacrum, dem Heiligen Frühling«, handelte es sich ursprünglich um einen alten Brauch Irr italischen Stämme, bei dem in Notzeiten Mars und Jupiter alles geweiht

•t'urde, was der Frühling hervorbringen konnte. Die in einem solchen zum

•fr sacrum bestimmten Jahr geborene Jungmannschaft wurde daher, sobald ic herangewachsen war, aus dem Stammesverband ausgestoßen und mußte ich neue Wohnsitze suchen. Infolge dieser Sitte breiteten sich die Italiker

. lobernd über ganz Italien aus. Dieser italische Begriff wurde dann auf die

Kricgszüge der Kelten übertragen. Während dieser um 400 v. Chr. beginnenden Wanderperiode der Kelten

••räch das alte Griechenland unter dem Ansturm der Makedonen zusammen, ai.hxander gründete sein Weltreich, Rom stieg zur Weltmacht auf, und die Karthager breiteten ihre Handelsniederlassungen im gesamten westlichen Mittelmeer aus. Der römische Schriftsteller livius, vor dessen Lebzeiten gerade Gallien erobert worden war, verlegt diese Begebenheiten in eine ferne Vergangenheit, doch betrifft der Wahrheitsgehalt des Kerns seiner Erzählung .1.1» keltische ver sacrum.9'' Er berichtet, die Kelten, die ein Drittel Galliens

•«•wohnt hätten, wären einem König ambigatus untenan gewesen. »Die Itilurigen, die den König für das ganze Land stellten, verdankten ihre beherr->» hcnde Stellung ihrem Reichtum. Um der Überbevölkerung abzuhelfen, hitkc Ambigatus beschlossen, seine beiden Neffen Bellovesus und Segovesus 11111 der Führung von zwei großen Wanderungen zu beauftragen. Jeder sollte «n'h nach den von den Göttern [durch Augurien] bestimmten Orten begeben mid sich dort niederlassen. Den beiden Heerführern wurden so viele Truppen im Verfügung gestellt, daß kein Volk sich hindernd in den Weg stellen

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könnt e. Der Götterspruch schickte Segovesus nach dem Hercynischen Wald, Bellovesus erhielt Italien.«96

Wenden wir uns zunächst dem Vorstoß nach dem Hercynischen Wald zu. Mit d iesem Namen wurde das deutsche Mittelgebirge bezeichnet. Diese Stoßrichtung erscheint merkwürdig, wenn wir vorher gehört haben, daß die Kelten vor den von Norden eindringenden Germanen zurückgewichen waren. Mun aber stoßen sie gerade in dieser Richtung vor. Das Mittelgebirge hattei-i die Germanen etwa um 500 v. Chr. erreicht. Von Kämpfen zwischen Gerrn_anen und Kelten an dieser Grenze berichten die antiken Schriftsteller nichts«, ja sie vermochten zunächst nicht einmal, Kelten von Germanen zu unterscheiden. cäsar war der erste, dem diese Unterscheidung gelang. Sollte es sich etwa nur um eine Vorsorgemaßnahme gehandelt haben, bei der ambi-gatus Verstärkungen an die keltisch-germanische Grenze schickte? Bis zui einem gewissen Grad mag das zutreffen. Ziehen wir jedoch die weitere S-toßrichtung und die Ziele der erobernden keltischen Scharen in Betracht, so besteht durchaus die Möglichkeit, daß diese nach Norden, zum Hercynischen Wald rückenden Kelten erneut die Verbindung mit jenem große-n europäischen Heiligtum aufnehmen wollten, das sie den Germanen hatten überlassen müssen, nämlich den Externsteinen. Doch nicht nur nach Nord-en zielte dieser Stoß, zum Hercynischen Wald, er galt gena

Ende!

Gruß Paraneua-Bioeule!

MeomeParaneua!

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